Was ist die Logotherapie?

Vor einigen Jahren habe ich eine Karte von Prof. Dr. Elisabeth Lukas erhalten mit einem Berg drauf mit der Bezeichnung “Höhenpsychologie”.

Die meisten Reaktionen, die man erhält, wenn man Logotherapie erwähnt ist, dass die Leute sagen: “Ja, die Logopädie kenne ich!”. Die Logotherapie hat aber mit Logopädie nichts zu tun. Die Logotherapie ist eine eigene psychologische Richtung, die Viktor Frankl entwickelt hat. 

Die Grundlage der Logotherapie wird von etlichen meiner Businesses Coach Kollegen verwendet, um hier nur einige von Ihnen zu erwähnen: Dr. Fredmund Malik, Prof. Dr. Anna Maria Pircher Friedrich, Werner Bernschneider, um hier nur einige zu nennen. Wie ist die Logotherapie entstanden, was ist der Unterschied und was macht es so effektiv? 

 

Wie ist die Logotherapie entstanden?

Der Gründer der Logotherapie und der Existenzanalyse ist Viktor Frankl (1905 -1997). 

Das Wort Logos bedeutet Wort und Sinn. Bei Frankl spielt der Sinn eine große Rolle! Bereits 1921, sprich mit 16 Jahren hat er seinen ersten öffentlichen Vortrag über den Sinn des Lebens gehalten. 1926 fällt der Begriff Logotherapie zum ersten Mal. Wer die Tiefenpsychologie von Sigmund Freud kennt, wird bald merken, dass die Logotherapie von Viktor Frankl komplett in die entgegengesetzte Richtung geht. Die zwei Richtungen haben so gut wie gar nichts miteinander “in common”. Bald trennt sich auch Frankl von der Individualpsychologie von Alfred Adler. Nach dem Medizinstudium macht Frankl seine Facharztausbildung in Neurologie und Psychiatrie und wird bald Leiter des psychiatrischen Krankenhauses in Wien. Als Oberarzt betreut er jährlich über 3´000 Menschen. 1940 wird er Leiter des Neurologischen Station im Rothschild-Spital. 1942 wird Frankl verhaftet und am 25.09.1942 nördlich von Prag ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sein Vater, seine Mutter, wie auch seine Frau werden in den verschiedenen KZ umgebracht. Am 19.10.1944 wird Frankl nach Ausschwitz gebracht, wo er sein erstes Buch beginnt zu schreiben: “Ärztliche Seelsorge”. Einige Tage später kommt er in das KZ Kommando in Kaufering IV, in Türkheim, ein Aussenlager in KZ Dachau. Durch den Umzug verliert er die Notizen vom ersten Buch, beginnt aber gleich mit der stenographischen Rekonstruktion seines Buches in der Nacht. Am 27.April 1945 wird er von den US Truppen befreit und er kniet sich im Feld nieder und dankt dem lieben Gott für die Befreiung. 1946 schreibt er das Buch: “Trotzdem Ja zum Leben sagen” in 9 Tagen und ahnt noch nicht, dass es Millionenfach verkauft wird. Im US Congress of Library gehört dieses Buch zu den 10 Einflussreichsten Büchern! 

„One of the ten most influential books in America“.

In Amerika ist der Bekanntheitsgrad Frankls tatsächlich viel höher als in Österreich. Das Buch rettet selbst Millionen von Menschen das Leben, so auch dem Sohn vom Bundeskanzler Helmut Kohl! Dieses Buch gibt so viel Hoffnung, Kraft und Mut auch in widrigen Umständen nicht aufzugeben, sondern weiterzuleben und weiterzumachen. 

Von 1946 bis 1971 ist Frankl im Vorstand der Wiener Neurologischen Poliklinik. 1947 veröffentlicht Frankl das Buch, Psychotherapie in der Praxis. 1950 gründet er die österreichische Ärztegesellschaft für Psychotherapie. Ab 1955 hat er nicht nur die Professur an der Wiener Universität, sondern auch an vielen Universitäten im In- und Ausland, wie Harvard, Southern Methodist University, Duquesne Universtität etc. Er hat selbst 32 Bücher verfasst und zusätzlich zu seinen eigenen wissenschaftlichen Titeln erhält er 29 Ehrendoktorate von den verschiedensten Universitäten der Welt. 

Die berühmteste Schülerin von Frankl ist Elisabeth Lukas. Wir sehen, dass die Logotherapie nicht irgendwo am Schreibtisch entstanden ist, sondern die Grundlagen der Logotherapie bereits im KZ angewandt worden sind, bis sich dann die Logotherapie über die Jahre wunderbar zu einer kräftigen Beratung sich entwickelt. 

Die grosse Stärke der Logotherapie selbst ist, dass man nicht Jahrelang Zeit in der Vergangenheit verbringen muss, sondern das man schnell und effektiv den Menschen nachhaltig weiterhelfen kann. 

Die Wiener Schulen

Man spricht von der Logotherapie von der sogenannten 3. Wiener Schule. Die 1. Wiener Schule ist die Psychotherapie Richtung nach Sigmund Freud, der die Erfüllung der Lebens in der Sexualität gesehen hat. Wenn in der Entwicklungen des Kleinkindes (vom Babyalter an) sexuelle Störungen sich ergeben haben, geht das in das Unbewusste und beeinflusst das Leben. Daher war es Sigmund Freud Anliegen, dies zur Oberfläche hervorzubringen. Die geschieht durch hohe Frequenzberatungen (3-4 mal Beratung in der Woche) über Jahre hinweg, um in der Vergangenheit herauszufinden, was passiert ist.  

Die 2. Wiener Schule war die Psychotherapie Richtung nach Alfred Adler der Begründer der Individualpsychologie. Der Name verweist auf die Unteilbarkeit des Individuums, um sich von Freud abheben zu können, der die Aufspaltung der Persönlichkeit betonte und von der Vorstellung ausging, dass sie die Teile des Menschen gegenseitig bekämpfen. Adler war der Überzeugung: Wer in seiner Kindheit kein gesundes Maß an Geborgenheit und Gemeinschaft erlebt hat, entwickeltn ein Minderwertigkeitsgefühl, welches dann zur Überkompensierung führt, zur sogenannten Wille zur Macht. Von diesen Gedanken angeleitet, entwickelte er die Lehre vom Heilen und Bilden, die sogenannte individualpsychologische Psychotherapie und Erziehungsprophylaxe, in der die Minderwertigkeitsgefühle und die Lebensangst nur durch eine tragfähige zwischenmenschliche Beziehung überwunden werden kann. Für Adler bedeutet “Leben sich zu entwickeln.” Es war also eine optimistische Alternative zur Psychoanalyse von Sigmund Freud.   

Die 3. Wiener Schule bildet nach Frankl hat eine besondere anthropologische Grundlage, indem Frankl die Mehrschichtigkeit des Menschen – unitas multiplex – aufnimmt, jedoch in einem integrativen Rahmenkonzept durch die besondere Einbeziehung der geistigen Dimension ohne Vernachlässigung der körperlichen und seelischen Dimension. Diese Entwicklung ist einzigartig in der Theorie, vor allem in der Ermächtigung des Menschen, durch seinen Geist “die Trotzmacht des Geistes” einsetzen zu können. 

Für Frankl ist das Freie im Menschen, sprich der Mensch, der Stellung nimmt gegenüber seinem biologischen, psychologischen und soziologischen Schicksal maßgebend. In der geistigen Freiheit und in der geistigen Ermächtigung bedient sich der Menschen seiner Verantwortung, welches ins Zentrum der existenzanalytischen Anthropologie rückt. 

Hier fügt Frankl den Willen zum Sinn hinzu, welches bedeutet, dass der Mensch ein Streben nach Sinn hat und diesen durch die Verwirklichung von Werten realisieren kann. Aus diesem Grund sagte Frankl: “Mensch sein heißt entscheidendes Sein…. Und ist zuletzt Verantwortlichsein.”

Somit ist die Logotherapie eine non-deterministische und sinnzentrierte psychologische Richtung mit einer sehr positiven Weltanschauung. Für Frankl sind es oft erst “die Ruinen, die den Blick frei machen für den Himmel” und er prägte auch den schönen Satz, dass “der Berg von seinem höchsten Punkt gemessen” wird. 

In der Logotherapie geht es daher nicht um den ewig suchenden “Schlüssel der Vergangenheit”, sondern um eine proaktive gesunde Grundeinstellung zum Leben, mit der man die Herausforderungen des Lebens gut meistern kann!  

 

Die Trotz-Macht-des-Geistes

Frankl hat aufgrund dieser Grundlage die Dimensionalontologie erfunden, in der er das Verhältnis der somatischen und psychischen Dimension erklärt (soma-psychischer Parallelismus), wie die Abhebungsmöglichkeit des Geistes in der noetischen Dimension (Nous-Psychischer Antaganismus), die sogenannte Trotz-Macht-des Geistes. 

Die Lehre der Dimensionalontologie verändert damit grundlegend die Existenzanalyse, sprich das Aufnahmegespräch, weil man durch diese Konzept und dieses Verständnis viel mehr erkennt und sieht, als in den anderen philosophischen Richtungen. Wer hier die Ausbildung in der Logotherapie nicht hat, steht in der Gefahr die das Erzählte einseitig geprägt zu sehen und somit das enorme Potential nicht erkennen zu können. 

Frankl stellt dem Reduktionismus, sprich dem Abwerten des Menschen durch die “aufgedeckten Motive” das besondere Menschenbild gegenüber, welches zu einer enormen Wertschätzung und Achtung des Menschen führt. 

 

Die Persönlichkeitstheorie Frankls

Frankl entwickelte die Persönlichkeitstheorie bzgl. Person, Charakter und Persönlichkeit, die er in den 10 Thesen der Person ausdrückt. “Der Mensch ist eine Person, er hat einen Charakter und wird zur Persönlichkeit”. 

 

Aufgabencharakter des Lebens

Nach Frankl gibt es einen Aufgabencharakter des Menschen, mit der höchstmöglichen Aktivierung des Lebens. Hier hat jeder Mensch einen einzigartigen Ziel mit einem einzigartigen Weg. Die Möglichkeit, die jeder Mensch exklusiv für sich hat ist gehbar, jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass es nicht genützt wird. 

Die Leitplanken zum Aufgabencharakter des Lebens zur vollen Sinnerfüllung sind die Wertekategorien, die Frankl in drei verschiedene Bereiche aufteilt: 

  • Schöpferische-Werte (etwas was wir durch Schaffen, Kreativität, Gestalten, machen tun in die Welt setzen). 
  • Erlebnis-Werte (etwas was wir erleben, begegnen, liebend empfangen, ein passives Aufnehmen der schönen Dinge in der Welt)
  • Einstellungs-Werte (sind unsere Einstellungen, wie wir zu den Dingen der Welt und zu Menschen eingestellt sind). 

Ein bewusstwerden seiner eigenen Werte, wie auch das ausleben der Werte ist die Autobahn zur Sinnerfüllung. 

 

Frankl bezeichnet vier verschiedene Sinnarten:

  1. Sinnart: konkreter Sinn, Situationssinn, Sinn des Augenblicks, Einzelsinn, Teilsinn (Partialsinn). Erste Sinnart ist der Sinn der Situation oder des Augenblicks. Diese Sinnart ist ein „konkreter Sinn“, der als „Einzelsinn“ im Laufe des Lebens, im Glück wie im Unglück möglichst umfangreich verwirklicht wird, und am Ende zum „Sinnganzen“, das sich aus „Teilsinnen“, den „Situationssinnen“ zusammensetzt. Der konkrete Sinn ist zugleich immer auch ein „partikulärer Sinn“, der auf dem Weg über die Verwirklichung von Schaffens-, Erlebnis- und Einstellungswerten erfahrbar ist. Diese Sinnart begegnet dem Menschen in der Form von anstehenden Aufgaben, zu erfüllenden Werten, wahrgenommen Ansprüchen. Kurz: als Wesentliches, oder als das, worauf es ankommt oder als das, dem alle Beteiligten zustimmen können. Sie dient letztlich der sinnerfüllten Alltagsbewältigung und der tiefen Lebenszufriedenheit oder „Seelenruhe“.
  2. Sinnart: Die zweite Sinnart bezieht sich auf das gesamte Leben des Menschen. Sie erfasst zum einen den Sinn des Lebens eines konkreten Menschen und stellt das Ganze der Teilsinne dieses Lebens dar. Jedem Menschen sind aufgrund seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten, seinen Wissens und seiner Einsichten, kurz: seiner Bildung kleinere und grössere Sinnmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Die sinnvollen Aufgaben, seien es Vision der Zukunft oder seien es verwirklichte Aufgaben lassen sich in eine Ordnung bringen. Da Sinnverwirklichungen nicht mehr ungeschehen gemacht werden können, sind sie auf Ewig in die Vergangenheit „hineingerettet“. Leben ist ohne den Tod nicht zu haben. Dieser macht das Leben endlich und zugleich kostbar und Glück und Leiden einmalig. Auf diese Weise gewinnt es „Bedeutungsschwere“. Ringt der Mensch eine seinem Schicksal einen Sinn ab, so bringt dieses Erlebnis eine tiefe Erfüllung mit sich. Da der Mensch bis zum letzten Atemzug mit seinem Schicksal ringen und Sinn erfüllen kann, ist der Gesamtsinn seines Lebens erst mit dem letzten Atemzug erreichbar und im Tod fixiert.
  3. Sinnart: Oft wird die Frage gestellt: Wozu lebe ich? Sie zielt auf die dritte Sinnart, die dem Menschen dimensional überlegen ist. Die Sinnmöglichkeit liegt nicht in der Lust und Bedürfnisbefriedigung noch in der Nachkommenschaft, sondern im gestaltenden Lebenskampf, sie liegt darin, dass der Mensch seine innere Erfüllung durch die Leistung dessen, was er am besten von allen anderen kann, erfährt, dass er seinen Platz im Leben findet, ausfüllt und sich selbst erfüllt, dass er sein Wesen zum Sein bringt und in Grenzsituationen (Tod, Schuld, …) Zeugnis darüber ablegt, wozu er als Vertreter der Menschheit fähig ist.
  4. Sinnart: Übersinn, All Sinn, Letzter Sinn. Über den höchstmöglichen Sinn oder Geist kann der Mensch keine Aussagen machen, sondern nur an ihn glauben. Dieser Übersinn – in religiösen Verständnis „Gott“, in philosophischer Sprache „das Absolute“, wie z.B. das Wahre, Gute, Schöne – übersteigt das menschliche Fassungsvermögen, weshalb Menschen an ihn glauben und orientieren können. „Übersinn“ ist deshalb letzter Bezugspunkt für Entscheidungen über Sinnmöglichkeiten. Er ist letztgültiges Maß an dem sich jeder konkrete, einmalige und einzigartige Sinn einer Situation messen lassen kann. Daher gilt, dass in jedem Sinnerlebnis Absolutes mehr oder minder deutlich anklingt.

Ihr werdet schon bei dieser Aufstellung der vier Sinnarten den Unterschied von Lust- und Sinnorientierung sehen. 

 

Das Abhören der leisen Stimme

Das Sinnorgan für Frankl ist das Gewissen, nicht wie wir es in der Regel kennen – das schlechte Gewissen – sondern aus des dem weisenden Gewissen. Wir kennen das aus Managerbüchern, wie “Think rich – grow rich”, bei dem die Wichtigkeit betont wird, auf die inspirierende Stimme zu hören. Ob das Henry Ford war, Steinmetz oder R.G.LeTourneau oder viele andere UnternehmerInnen, sie haben alle eins gemeinsam: Das Abhören der leisen Stimme. 

Im englischen selbst ist das wunderbar zu sehen: INSPIRATION – In-SPIRIT-ON

Dein Geist, der inspiriert wird! 

In diesem Zusammenhang lebt, wirkt, erfindet der Mensch nicht einfach zu seiner eigenen Erfüllung, sondern wirkt über sich selbst hinaus Gutes. Das nennt Frankl die Selbsttranszendenz

In diesem Zusammenhang prägte er das Wort Selbstdistanz. Bei der Selbstdistanz kann man zu sich selbst auch mal Distanz nehmen und die Dinge von der Metaebene betrachten. Die berühmte Aussage dazu: “Man muss sich von sich selber auch nicht alles gefallen lassen.” 

Das kräftige Werkzeug der Einstellungsmodulation verhilft den Klienten praktisch zum Mindchange und zur möglichen Dereflexion (nicht mehr um das stetige Kreisen eines Problems). 

Wer auf die leise Stimme hört, lernt mit dem weisenden Gewissen zu leben, auf dem Weg des Aufgabencharakters des Lebens den Berg besteigt wird unweigerlich mit der Angst zu tun bekommen. Da Du Deine Komfortzone verlässt kommst Du in Gefilder, die Dir anfänglich unheimlich erscheinen und Du Dir ggf. die Sicherheit des “alten Lebens” wieder wünscht. Diese Sicherheit war aber nicht wirklich die Sicherheit, sondern eher die Abhängigkeit und das Eingesperrtsein in ein Korsett, was DU SELBST nicht warst und auch nicht bist. Umso schöner ist es, dass Frankl hier eins der besten Werkzeuge erfunden hat, die ich je in dieser Effektivität gesehen habe. Es ist das Werkzeug zur Angstüberwindung, die so genannte Paradoxe Intention. Durch dieses Werkzeug durfte ich Hunderten von Klienten auf dem Weg zur Freiheit begleiten, zur neuen Lebensqualität und vor allem zur Zielerreichung des Lebens. 

Bei der Interesse fürs Coaching oder für die Ausbildung Online Logotherapie Ausbildung kannst Du Dich gerne bei mir melden! 

Hier gehts zur Diplomarbeit:
Sinnorientierte Unternehmensführung

© Kris Lenart – Lenart Consulting e.U.

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